S3: Warme und kalte Kontakte anschreiben

Track Soft Skills · S3 Kontakte anschreiben · ca. 70 Min.

Worum es geht

Ein Angebot, das niemand liest, verkauft sich nicht. Das Anschreiben ist dein schwerster Kanal: Im Gespräch trägt dich deine Art, im Text gibt es nur Betreffzeile, ersten Satz und eine Bitte. In dieser Lektion lernst du die zwei Vorlagen aus der Quelle (warmer und kalter Kontakt), prüfst Betreffzeilen und erste Sätze, schreibst selbst eine warme und eine kalte Nachricht und planst die Nachfass-Abstände. Das trainiert genau deine Schwachstelle: Selbstvermarktung im schriftlichen Kanal.

Typische Situation

Du willst einen früheren Kollegen und eine fremde Entwicklungsleiterin anschreiben. Dein erster Entwurf an beide:

Betreff: Anfrage

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin freiberuflicher Entwickler mit sieben Jahren Erfahrung in React, TypeScript, Node und AWS. Im Anhang finden Sie meine Unterlagen. Bei Bedarf melden Sie sich gern.

Das fühlt sich sicher an, aber es hat vier Probleme. Der Betreff passt auf jede Werbemail. Der erste Satz handelt von dir. Es gibt keinen Grund, warum gerade diese Person es lesen sollte. Und die “Bitte” ist keine: Sie verlangt, dass der Empfänger selbst aktiv wird. Das ist wie eine Pull-Request-Beschreibung mit dem Text “changes”: wahr, aber niemand weiß, was er damit tun soll.

Konzept: Aufhänger, Problem, kleine Frage

Die Kernidee der Quelle

Warm hat einen gemeinsamen Bezugspunkt, kalt braucht einen erkennbaren Grund für den Erstkontakt. In beiden Fällen gilt dieselbe Reihenfolge:

  1. Ein konkreter Aufhänger in einem Satz (warm: der gemeinsame Bezugspunkt, kalt: etwas Erkennbares vom Empfänger, zum Beispiel ein Beitrag oder ein Projekt).
  2. Das gelöste Problem in einem Satz (für wen und was sich ändert, nicht wer du bist).
  3. Eine leicht zu beantwortende Frage am Ende, nicht der ganze Leistungsbeschrieb im Erstkontakt.

Zu den Kanälen sagt die Quelle: Ehemalige Kolleginnen und Kollegen sind der “wärmste kalte Kontakt überhaupt”. Bei der gezielten Kaltakquise per E-Mail gilt: eine konkrete statt reißerische Betreffzeile, die Nachricht selbst kurz (drei bis fünf Sätze), ein einziger, leicht zu beantwortender Call-to-Action. Eine Personalisierung mit einem recherchierten Detail schlägt jede Vorlage von der Stange. Massen-E-Mails ohne Personalisierung haben eine sehr niedrige Antwortquote und schaden dem Ruf.

Die zwei Vorlagen

Aus der Quelle:

Hi [Name], [gemeinsamer Bezugspunkt in einem Satz].
Ich helfe aktuell [Zielgruppe] dabei, [Problem in einem Satz] zu lösen.
Passt ein 15-Minuten-Call diese Woche, um zu schauen, ob das
für euch relevant ist?
Hi [Name], [konkreter, erkennbarer Aufhänger, z. B. ein Post
oder ein Projekt von euch].
Daher schreibe ich: ich helfe [Zielgruppe] dabei, [Problem in
einem Satz] zu lösen. Falls das gerade relevant ist, würde ich
mich über einen kurzen Austausch freuen, passt [Tag] oder [Tag]?

Beide enden mit einer Frage, die man mit einem Wort beantworten kann: “Ja, Dienstag” oder “Gerade nicht”. Das ist der Punkt.

Beispiel warm (erfunden)

Marta war früher in deinem Team bei einer Lieferdienst-App und leitet heute ein Entwicklungsteam bei einem Versicherer.

Hi Marta, erinnerst du dich an die Nacht vor dem Launch der Lieferdienst-App, in der wir zusammen die unzuverlässigen Tests gejagt haben? Ich bin inzwischen freiberuflich und helfe Teams dabei, dass ihre automatischen Tests nicht mehr ohne Grund fehlschlagen. Passt dir ein 15-Minuten-Call diese Woche, um zu schauen, ob das bei euch gerade ein Thema ist?

Drei Sätze, rund 55 Wörter. Der erste Satz weckt eine gemeinsame Erinnerung (Aufhänger), der zweite nennt Zielgruppe und Problem, der dritte stellt eine kleine Frage. Es gibt keinen Anhang, keinen Preis und keine Verfügbarkeitsliste.

Beispiel kalt (erfunden)

Die Empfängerin leitet ein Produktteam bei einem Reiseportal und hat einen Beitrag veröffentlicht, dass Buchungsbestätigungen manchmal doppelt versendet werden und die Ursache offen ist.

Betreff: Doppelte Buchungsmails: eine Frage zu Ihrem Beitrag

Guten Tag Frau Beispiel,

in Ihrem Beitrag schreiben Sie, dass Bestätigungen manchmal doppelt rausgehen und die Ursache noch offen ist. Ich helfe Teams dabei, solche doppelten Nachrichten an der Wurzel zu beheben, zum Beispiel mit eindeutigen Kennungen pro Vorgang. Hätten Sie am Dienstag oder Donnerstag 15 Minuten für einen kurzen Call, um zu prüfen, ob das für Sie relevant ist?

Freundliche Grüße Max Beispiel

Auch hier: drei Sätze im Text, ein recherchierter Aufhänger aus ihrem eigenen Beitrag, ein Problem, eine Frage mit zwei Tagen zur Auswahl. Wer den Beitrag geschrieben hat, merkt sofort: Das ist keine Massenmail.

Warum der Betreff zählt

Im Posteingang entscheidet der Empfänger in Sekunden, ob er öffnet. Auf dem Handy ist von einer langen Betreffzeile nur der Anfang sichtbar (allgemeines Fachwissen, bitte prüfen, welche Länge deine Zielgruppe tatsächlich sieht). Darum:

  • Konkret statt Allerwelt: “Anfrage” oder “Kooperation” passt auf jede Werbemail. Ein Wort aus dem Leben des Empfängers (sein Beitrag, sein Thema) zeigt, dass es nicht um Masse geht.
  • Ehrlich statt reißerisch: Keine erfundene Dringlichkeit, keine Großbuchstaben, keine Ausrufezeichen.
  • Kurz: etwa 50 bis 70 Zeichen, die wichtigsten Wörter vorn.
  • Hält, was er verspricht: Wenn der Betreff “kurze Frage” sagt, muss am Ende wirklich eine kurze Frage stehen.

Der erste Satz

Der erste Satz wird in der Vorschau mitgelesen. “Ich hoffe, diese Mail erreicht Sie wohlbehalten” oder “Mein Name ist …” verbraucht ihn, ohne dass der Empfänger etwas lernt. Besser: Beginne mit dem, was nur auf diesen Empfänger passt. Das ist Sympathie (liking) aus der Lektion zu Cialdini: echtes Interesse an etwas Konkretem aus seiner Welt.

Die kleine Bitte und das erste Ja

Die Bitte am Ende ist der Teil, an dem Anschreiben meist scheitern. Aus der Lektion zu Cialdini kennst du das Prinzip Konsistenz (commitment and consistency): Ein kleines erstes Ja macht ein zweites, größeres Ja wahrscheinlicher als ein sofortiger großer Ask. Darum fragst du nicht nach einem Auftrag und nicht nach “Zusammenarbeit”, sondern nach einem kleinen Schritt, den man in einer Zeile beantworten kann.

Bitte Wie groß? Warum
“Lassen Sie uns bei Gelegenheit sprechen.” zu vage Es gibt keinen Anlass, jetzt zu antworten.
“Hätten Sie Zeit für einen Workshop vor Ort?” zu groß Das ist schon ein zweites Ja, bevor es ein erstes gab.
“Passt Dienstag oder Donnerstag für 15 Minuten?” klein Konkret, kurz, mit einer Auswahl: Ja oder Nein reicht.

Länge

Die Quelle nennt für die Kaltmail drei bis fünf Sätze. Als Faustregel für beide Vorlagen: so kurz, dass der Empfänger sie ohne Scrollen lesen kann. Kürzen heißt: alles streichen, was in einem zweiten Gespräch noch Platz hat (Lebenslauf, Technik-Liste, Referenzen). Der Erstkontakt hat nur ein Ziel: ein kleines Ja.

Falle

  • Selbstbeschreibung zuerst: “Ich bin Entwickler mit Erfahrung in …” Der Empfänger hat kein Problem, das dadurch kleiner wird. Beginne bei ihm.
  • Anhänge als Argument: Lebenslauf, Portfolio oder Preisliste im ersten Kontakt sind der ganze Leistungsbeschrieb, den die Quelle ausdrücklich nicht im Erstkontakt haben will.
  • Floskeln und Schmeichelei: “Ich hoffe, die Nachricht erreicht Sie wohlbehalten”, “Ihr innovatives Unternehmen”. Es riecht nach Vorlage.
  • Massenton bei warmen Kontakten: “Hallo zusammen, ich bin ab sofort verfügbar, meldet euch.” Das ist eine Rundmail, kein Anschreiben an einen Menschen. Wie in der Lektion zu Kanälen: Eine Bitte ohne konkreten Aufhänger wird übergangen.
  • Zwei Bitten in einer Nachricht: “Hast du Zeit für einen Call, und kennst du jemanden, der Hilfe braucht?” Der Empfänger beantwortet dann keine.
  • Erfundene Nähe: Der Aufhänger muss stimmen. Ein Beitrag, den du nicht gelesen hast, fliegt beim ersten Nachfragen auf (vergleiche die Testfrage “Stimmt es?” aus Lektion 02).

Übungen

Übung 1: Welche Fehlerart steckt im Satz?

Hier ist eine schlechte Kaltmail an den Leiter einer Shop-Plattform, Satz für Satz. Der Betreff lautet “Anfrage” (den prüfst du in Übung 2).

  1. “Sehr geehrte Damen und Herren, ich hoffe, diese Mail erreicht Sie bei bester Gesundheit.”
  2. “Mein Name ist Max Beispiel, ich bin seit sieben Jahren Entwickler mit React, TypeScript, Node, AWS, Docker und Scrum.”
  3. “Auf Ihrer Karriereseite habe ich gelesen, dass Sie für den Checkout noch Verstärkung im Backend suchen.”
  4. “Ihr Unternehmen ist innovativ und dynamisch und steht für höchste Qualität.”
  5. “Ich würde gern einen halbtägigen Workshop bei Ihnen vor Ort anbieten, damit wir alles besprechen.”
  6. “Ich helfe Shop-Betreibern dabei, dass der Checkout auch bei Lastspitzen nicht abbricht.”
  7. “Im Anhang finden Sie meinen Lebenslauf, mein Portfolio und eine Liste aller meiner Projekte.”
  8. “Lassen Sie uns bei Gelegenheit einmal über eine mögliche Zusammenarbeit sprechen.”
  9. “Passt Ihnen ein Telefonat von 15 Minuten am Dienstag oder am Mittwoch?”

Gib eine Liste mit neun Einträgen in der Reihenfolge der Sätze zurück. Jeder Eintrag ist einer von vier Buchstaben:

  • "F": Floskel oder Schmeichelei (sagt nichts über den Empfänger oder sein Problem)
  • "L": Selbstbeschreibung oder Anhang (es geht um dich, nicht um ihn)
  • "V": Bitte zu groß oder zu vage
  • "O": passt in eine gute Erstmail

Frag dich bei jedem Satz: Wer ist die Hauptperson, er oder du? Bei Bitten zählt: Kann der Empfänger sie mit einem Wort beantworten, und gibt es einen Anlass, es jetzt zu tun? Ein Satz, der in jeder Mail an jeden stehen könnte, ist meist eine Floskel.

antwort = ["F", "L", "O", "F", "V", "O", "L", "V", "O"]
antwort

Übung 2: Betreffzeile und erster Satz

Du schreibst eine Kaltmail an den Mobile-Lead eines Logistikunternehmens. Er hat einen Fachbeitrag über das Zurückrollen fehlerhafter App-Releases veröffentlicht. Darin steht: Der Store-Review bremst jedes Zurückrollen. Du hast zwei Entscheidungen:

Teil 1: Welche Betreffzeile?

    1. “Kooperationsanfrage: Entwicklerleistungen für Ihr Unternehmen”
    1. “Zu Ihrem Beitrag über Release-Rollbacks: kurze Frage”
    1. “Dringend: Freie Entwicklerkapazität sofort für Sie verfügbar!”
    1. “Freelancer für React Native und TypeScript, sieben Jahre Erfahrung”

Teil 2: Welcher erste Satz?

    1. “Mein Name ist Max Beispiel, ich bin freiberuflicher Entwickler und spezialisiert auf React Native.”
    1. “Ich hoffe, diese Nachricht erreicht Sie zu einem guten Zeitpunkt und stört nicht im Alltag.”
    1. “Ich weiß, dass Sie sehr beschäftigt sind, daher fasse ich mich kurz und komme gleich zum Punkt.”
    1. “Ihr Satz, dass der Store-Review jedes Zurückrollen bremst, kenne ich aus eigener Arbeit.”

Gib ein Tupel mit zwei Buchstaben zurück: (Betreff, erster Satz).

Lies jede Option aus der Sicht des Empfängers, der täglich viele Mails bekommt. Was erfährt er daraus jeweils, und was davon betrifft ihn selbst?

antwort = ("B", "D")
antwort

Übung 3: Warme Nachricht an einen früheren Kollegen

Das ist die erste zentrale Übung. Rohmaterial (erfunden):

  • Jonas war bis vor zwei Jahren dein Kollege. Ihr habt zusammen das Bestell-Backend eines Online-Shops gebaut.
  • Er leitet jetzt das Plattform-Team bei einem Logistikunternehmen.
  • Du bist seit Kurzem freiberuflich und hilfst Teams, deren Schnittstellen bei hoher Last langsam werden.
  • Dein Ziel: ein kurzes Gespräch, kein Auftrag.

Schreibe die Nachricht als String nachricht (eine Chat- oder LinkedIn-Nachricht, ohne Betreff). Der Check prüft:

  • 25 bis 90 Wörter, 3 bis 6 Sätze
  • in den ersten zwei Sätzen ein konkreter, gemeinsamer Bezugspunkt aus dem Rohmaterial (zum Beispiel das Bestell-Backend im Shop) oder ein Bezug auf etwas Konkretes von ihm (neue Rolle, Beitrag)
  • ein Satz mit Problem und Zielgruppe (“ich helfe … dabei, dass …”)
  • der letzte Satz ist eine Frage mit einer kleinen Bitte: ein Call, Kaffee oder Austausch, mit Dauer von höchstens 30 Minuten oder “kurz”
  • keine zweite Bitte (Empfehlung, Weiterleiten), kein Druck (“sofort”, “nur noch diese Woche”) und keine Frage, die ein Ja erzwingt (“oder?”, “wäre es nicht klug …”)
  • keine Floskeln (“sehr geehrte”, “wohlbehalten”, “freue mich auf Ihre Rückmeldung”), kein Massenton (“hallo zusammen”, “ab sofort verfügbar”, “bei Bedarf”), kein Anhänge-Pitch (Lebenslauf, Portfolio, “im Anhang”), kein Preis
  • keine Selbstbeschreibung wie “sieben Jahre Erfahrung” oder “Spezialist”
  • Ich-Form (mindestens ein Ich-Wort, höchstens fünf), höchstens ein Ausrufezeichen
  • zusammenhängende Sätze: keine Stichwortliste, keine Platzhalter in Klammern, keine ständigen Wiederholungen

Du-, Ihr- und Sie-Form sind erlaubt, der Wortlaut ist frei.

Beginne mit etwas, das nur ihr beide teilt: Woran erinnert er sich gern? Dann ein Satz, der sagt, für wen du arbeitest und was sich bei ihnen ändert. Am Ende eine Frage, die er in einer Zeile beantworten kann, mit einer kurzen, konkreten Dauer. Keine Anlagen, keine Preise.

nachricht = (
    "Hi Jonas, ich musste neulich an die Nacht vor dem Shop-Launch denken, "
    "in der wir zusammen das Bestell-Backend unter Last getestet haben. "
    "Ich bin inzwischen freiberuflich und helfe Teams dabei, "
    "dass ihre Schnittstellen auch bei hoher Last nicht langsam werden. "
    "Passt dir ein 15-Minuten-Call diese Woche, um zu schauen, ob das bei euch gerade ein Thema ist?"
)
nachricht

Weitere gute Varianten: “Hallo Jonas, beim Aufräumen bin ich auf unser altes Bestell-Backend gestoßen, das wir damals zusammen gebaut haben. Ich arbeite jetzt selbstständig und unterstütze Teams, deren API bei Lastspitzen langsam antwortet. Hättest du diese oder nächste Woche 20 Minuten für einen kurzen Austausch?” oder “Hi Jonas, ich habe gesehen, dass du jetzt das Plattform-Team bei dem Logistiker leitest, und musste an unser gemeinsames Backend im Shop denken. Ich helfe inzwischen Teams dabei, dass Schnittstellen unter hoher Last stabil bleiben. Hast du Lust auf einen kurzen Kaffee im Videocall, vielleicht Donnerstag?” oder in der Sie-Form: “Guten Tag Herr Jonas, wir haben damals gemeinsam das Bestell-Backend gebaut, daher wende ich mich direkt an Sie. Ich helfe Teams, deren Schnittstellen unter Last langsam werden. Hätten Sie diese Woche 15 Minuten für ein kurzes Telefonat?”

Übung 4: Kalte Mail mit Nutzen und kleiner Bitte

Jetzt der schwerere Fall: Du kennst die Empfängerin nicht. Rohmaterial (erfunden):

  • Empfängerin: Dr. Anna Beispiel, Leiterin Softwareentwicklung bei einem mittelgroßen Online-Händler.
  • Aufhänger: In ihrem Firmenblog schreibt sie, dass die Produktsuche an einem Aktionstag unter Last mehrere Sekunden brauchte und die Ursache noch offen ist.
  • Dein Nutzen: Du hilfst Teams, deren Suche unter Lastspitzen langsam wird. In einem früheren Projekt (Angestelltenzeit) lag es an nicht zwischengespeicherten Filterabfragen.
  • Dein Ziel: ein kurzer Call, kein Auftrag.

Schreibe betreff und text und gib das Tupel (betreff, text) zurück. Der Check prüft:

  • Betreff: 3 bis 11 Wörter, höchstens 70 Zeichen, mit einem konkreten Wort aus ihrer Welt (zum Beispiel Beitrag, Blog, Suche, Lastspitze), ohne Allerwelts-Wörter (“Anfrage”, “Kooperation”, “Angebot”, “Freelancer”, “Chance”), ohne Ausrufezeichen und Großbuchstaben-Wörter
  • Text: 3 bis 6 Sätze (Anrede und Gruß zählen nicht), 35 bis 100 Wörter
  • erster Satz mit konkretem Bezug zu ihrem Beitrag und nicht mit “Ich bin …” oder deinem Namen
  • ein Satz mit Problem und Zielgruppe
  • letzter Satz: eine Frage mit kleiner Bitte (Call, Austausch mit höchstens 30 Minuten, “kurz” oder zwei Tage zur Auswahl), keine zweite Bitte
  • keine Floskeln, kein Massenton, kein Anhänge-Pitch, kein Preis, keine Technik-Liste und keine “Jahre Erfahrung”
  • kein Druck, keine zweite Bitte, keine Frage, die ein Ja erzwingt
  • Ich-Form (mindestens ein Ich-Wort, höchstens fünf), zusammenhängende Sätze, keine Platzhalter in Klammern

Der Betreff sollte ihr Thema nennen, nicht dein Angebot. Im Text trägt der erste Satz ihren Beitrag, der zweite das Problem aus ihrer Sicht (nicht deinen Lebenslauf), der dritte eine Frage, die sie mit einem Wort beantworten kann. Denk an die Vorlage: Aufhänger, Problem, kleine Frage.

betreff = "Zu Ihrem Blogbeitrag über die langsame Suche: kurze Frage"
text = """Guten Tag Frau Beispiel,

in Ihrem Blogbeitrag schreiben Sie, dass die Produktsuche am Aktionstag unter Last mehrere Sekunden brauchte und die Ursache noch offen ist. Ich helfe Teams dabei, dass ihre Suche auch bei Lastspitzen schnell bleibt, und in einem früheren Projekt lag es an nicht zwischengespeicherten Filterabfragen. Hätten Sie am Dienstag oder Donnerstag 15 Minuten für einen kurzen Call, um zu prüfen, ob das bei Ihnen eine Spur wäre?

Freundliche Grüße
Max Beispiel"""
(betreff, text)

Weitere gute Varianten: Betreff “Ihr Beitrag zur Suche am Aktionstag, eine Rückfrage”, Text: “Guten Tag Frau Beispiel, Ihr Beitrag über die Suche am Aktionstag hat mich beschäftigt, weil sie dort unter Last mehrere Sekunden brauchte. Ich unterstütze Teams, deren Suche bei Lastspitzen langsam wird, und kenne den Fall mit Filterabfragen ohne Zwischenspeicher. Hätten Sie diese oder nächste Woche 20 Minuten für einen kurzen Austausch dazu?”

Übung 5: Nachfass-Abstände planen und rechnen

Nicht jede Mail wird beantwortet, und eine einzige Erinnerung ist normal. Wichtig ist, dass du Abstände vorher festlegst, statt aus Unsicherheit zu drängeln oder zu verschwinden. Nach einem persönlichen Gespräch nennt die Quelle 48 Stunden als Grenze, bei einer E-Mail ohne Antwort darf mehr Luft sein. Die folgenden Werte sind Platzhalter (bitte prüfen, was für deine Zielgruppe passt).

Zählregel (Werktage): Gezählt werden Montag bis Freitag. Feiertage ignorierst du hier. Der Tag der Erstmail zählt nicht mit.

Beispiel (andere Werte): Erstmail am Donnerstag, 12. November 2026. Frühestens 3 Werktage später: Freitag 13. ist Werktag 1, Montag 16. ist Werktag 2, Dienstag 17. ist Werktag 3. Also wäre Dienstag, 17. November 2026 der früheste Tag. Zwischen dem 12. und dem 17. November liegen 5 Kalendertage, aber 3 Werktage.

Deine Aufgabe: Erstmail am Dienstag, 6. Oktober 2026. Plane zwei Nachfassnachrichten mit diesen Regeln:

  • Das erste Nachfassen frühestens 5 Werktage nach der Erstmail.
  • Das zweite frühestens 7 Werktage nach dem ersten.
  • Beide nur an Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag.
  • Das zweite spätestens 15 Werktage nach der Erstmail. Danach ist Schluss (kein drittes).

Gib das Tupel (fu1, fu2, werktage_gesamt, kalendertage) zurück. fu1 und fu2 sind Datumsstrings im Format "JJJJ-MM-TT" (oder date-Objekte). werktage_gesamt sind die Werktage von der Erstmail bis fu2, kalendertage die Kalendertage in diesem Zeitraum.

Zähle von der Erstmail aus nur die Werktage, wie im Beispiel. Prüfe dann, auf welchen Wochentag dein Ergebnis fällt, und schiebe es auf den nächsten erlaubten Tag, falls nötig. Die Gesamtzahl der Werktage folgt aus beiden Abständen. Kalendertage zählst du mit Wochenenden.

fu1 = "2026-10-13"
fu2 = "2026-10-22"
werktage_gesamt = 12
kalendertage = 16
(fu1, fu2, werktage_gesamt, kalendertage)

Der 13. Oktober ist ein Dienstag und 5 Werktage nach dem 6. (7., 8., 9., 12., 13.). Der 22. Oktober ist ein Donnerstag und 7 Werktage nach dem 13. (14., 15., 16., 19., 20., 21., 22.). Zusammen 12 Werktage, 16 Kalendertage. Andere gültige Pläne gibt es auch, zum Beispiel das erste Nachfassen am Mittwoch, 14. Oktober (6 Werktage).

Vorlage ausfüllen: Dein erstes Anschreiben

Die Quelle verlangt als Ergebnis: Je eine Vorlage für warme und kalte Kontakte steht, und mindestens ein warmer Kontakt ist tatsächlich angeschrieben. Hier sind beide Vorlagen zum Ausfüllen:

WARM
Empfänger / Beziehung:      ______________________________
Gemeinsamer Bezugspunkt:    ______________________________  (ein Satz)
Zielgruppe + Problem:       ______________________________  (ein Satz)
Kleine Bitte (Format, Dauer, Zeitraum): ______________________  (eine Frage)

KALT
Empfänger + recherchierter Aufhänger: ______________________  (ein Satz, wirklich gelesen)
Betreff (konkret, höchstens 70 Zeichen): ____________________
Zielgruppe + Problem:       ______________________________  (ein Satz)
Kleine Bitte (zwei Tage zur Auswahl): ______________________  (eine Frage)

Aufgabe: Fülle zuerst die warme Vorlage für einen echten früheren Kollegen aus und sende sie. Die kalte Vorlage füllst du für einen echten Zielkunden aus, den du vorher recherchiert hast. Vergleiche mit der Musterlösung.

WARM
Empfänger / Beziehung:      Lena, frühere Kollegin im Team einer Reise-App
Gemeinsamer Bezugspunkt:    Wir haben damals zusammen die Zahlungsabwicklung der Reise-App umgebaut.
Zielgruppe + Problem:       Ich helfe Teams dabei, dass ihre Zahlungsschnittstellen bei Ausfällen
                            keine doppelten Buchungen erzeugen.
Kleine Bitte:               Hast du diese Woche 15 Minuten für einen kurzen Call?

KALT
Aufhänger:                  Herr Beispiel schreibt in seinem Post, dass Rückerstattungen bei
                            ihnen manchmal erst nach Wochen ankommen.
Betreff:                    Zu Ihrem Post über späte Rückerstattungen: eine Frage
Zielgruppe + Problem:       Ich helfe Zahlungsteams dabei, solche Verzögerungen schneller
                            einzugrenzen.
Kleine Bitte:               Hätten Sie am Mittwoch oder Freitag 15 Minuten für einen kurzen Call?

Selbstcheck-Liste vor dem Senden:

Rollenspiel

HinweisRollenspiel: Warme Nachricht an einen früheren Kollegen

Deine Rolle: Freelancer, du schreibst einem früheren Kollegen, mit dem du vor zwei Jahren ein gemeinsames Projekt gebaut hast.

Gegenüber: Früherer Kollege, jetzt Teamleiter in einem anderen Unternehmen. Freundlich, aber viel zu tun. Antwortet kurz und liest nur die ersten zwei Sätze genau.

Ziel: Ein kleines erstes Ja bekommen (ein 15-Minuten-Call), ohne um Aufträge zu bitten.

Erfolg, wenn: ein konkreter gemeinsamer Bezugspunkt im ersten Satz steht, ein Satz mit Zielgruppe und Problem folgt, genau eine kleine Bitte mit Dauer gestellt wird, kein Anhang und keine Floskel vorkommen und die Nachricht unter 80 Wörtern bleibt.

Starten mit: „Spiel mit mir die Rollenspiel-Karte Warme Nachricht an einen früheren Kollegen durch“. Üben mit Claude: Skill softskill-training.

HinweisRollenspiel (schwerer): Kalte Mail an eine skeptische Leiterin

Deine Rolle: Freelancer, schreibst eine Kaltmail an die Leiterin der Softwareentwicklung eines Mittelständlers und antwortest danach auf ihre Rückfrage.

Gegenüber: Leiterin Softwareentwicklung, bekommt täglich viele Mails von Dienstleistern, antwortet knapp und ist skeptisch. Sie schreibt zurück: “Woher kennen Sie unser Problem überhaupt? Sie kennen uns doch gar nicht.”

Ziel: Ruhig antworten, den berechtigten Zweifel anerkennen, belegen, dass du ihren Beitrag wirklich gelesen hast, und die Bitte klein halten.

Erfolg, wenn: nicht verteidigt oder gekränkt geantwortet, ein konkretes Detail aus ihrem Beitrag genannt, keine Selbstbeschreibung, die Bitte bleibt bei 15 Minuten oder zwei Tagen zur Auswahl, Ton bleibt freundlich.

Starten mit: „Spiel mit mir die Rollenspiel-Karte Kalte Mail an eine skeptische Leiterin durch“

Merksatz

Ein Anschreiben hat einen Aufhänger, der nur auf den Empfänger passt, ein Problem und eine Frage, die man in einer Zeile beantworten kann.

Prüfstein

Welchen früheren Kollegen schreibst du in dieser Woche an, welcher gemeinsame Bezugspunkt kommt in den ersten Satz, und welche kleine Bitte stellst du am Ende?


Quelle: quellen/verkaufspsychologie-und-akquise-kanaele.md, Abschnitt “S3 Warme und kalte Kontakte anschreiben” (Warum, Kernidee, beide Vorlagen, “Fertig, wenn”) und, als Hintergrund, die Abschnitte “Warme Kontakte & Empfehlungen”, “Gezielte Kaltakquise (E-Mail)” und die Kanalübersicht (ehemalige Kolleginnen und Kollegen). Das kleine erste Ja stammt aus der Lektion zu Cialdini (Prinzip Konsistenz). Alle Beispiele, Namen, Notizen und Zahlen sind erfunden und dienen nur der Übung. Die konkreten Angebote und Preise der Quelle sind laut Quelle veraltet und wurden bewusst nicht übernommen. Über die Quelle hinaus (allgemeines Fachwissen, bitte prüfen): die Hinweise zur Betreffzeile (Länge, Handy-Ansicht, keine Dringlichkeit), die Einteilung der Fehlerarten in Übung 1, die Grenze von 30 Minuten für ein erstes Ja, die Abstände und die Höchstzahl von zwei Nachfassnachrichten in Übung 5 (Platzhalterwerte; die Quelle nennt Follow-up-Zeiten nur für persönliche Treffen).